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Vet. Ge.IE A: 245

Sefammelte Werke

von

Charles Sealsfield.

Dritter Theil. Ber Segitime und die Republikaner.

Dritter Theil.

Stuttgart. Berlag ver 3. B. Mes ler'ſchen Buchhandlung. 1845.

Der Segitime und

Die Nepnblifaner.

Eine Geſchichte ans dem lebten amerifantfchsenglifchen Kriege.

Don Charles Sealsfield,

In drei Sheilen.

Dritter Theil. Dritte durchgeſehene Auflage.

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Stuttgart.

Berlag der J. B. Metz ler'ſchen Buchhandlung. 1845.

Ich zittere für mein Boll, wenn ich ber Ungerechtigkeiten gebente, deren es fich gegen die Ureinwohner ſchuldig gemadt bat. Sefferfon.

Adtundzwanzigfles Kapitel.

Herr! Herr! Es iſt oft ſchwer für Freunde fi wieber zu fehen; aber Berge können durch Erdbeben verfeßt werden und ſich fo wieder begegnen.

Shalespeare.

Der Landfig, in dem unfer Squire es fi fo be⸗ quem gemacht, und zu Haufe fehlen, gehörte zu einer ber vielen Mifjifippis Pflanzungen , die weniger durch äußere Großartigfeit, als durch innere Pracht, Die glänzenden Reichthümer zur Schau tragen, die biefer Erwerb feinen Beflifjenen beinahe immer fichert. Er Hatte nebft dem Erdgeſchoße bloß noch ein Stod- werk, und ruhte auf Pfeilern, vielleicht des Luftzuges ober des austretenden Miffifippi wegen, war leicht gebaut, augenfheinfich mehr zum Schuße gegen die fengenden Strahlen der Sonne, ald gegen erftarrende Winterfälte. Acht Stufen von weißlich geſtecktem Marmor führten zur Piazza und dem Periſtyle, mit

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dem die Fronte des Haufed verziert war; die Säu- Yenräume waren mit hohen Salouflefenftern aus⸗ gefuͤllt , gleichfalls um während der heißen Sommer⸗ zeit einen fortwährenden Luftzug zu unterhalten.

Im Hintergrunde- waren zwei andere ziemlich große Gebäude, von denen dad eine zur Wohnung ber Wirthſchaftsbeamten, das andere zur Aufnahme der Colonialprodukte der Pflanzung beftimmt zu ſeyn ſchien, und an diefe beiden jchlofien fi zwei Neihen Fleinerer aber nicht unmohnlicher Blockhäuſer für die ſchwarze Bevölkerung der Pflanzung an, hinter welchen eine meilenbreite Fläche gegen die Cyprefſen⸗ wälder Binablief, aus der ein fahler, blätter=, rinde⸗ und zweiglofer Wald ungeheurer abgeftorbener Bäume emporftarrte, der, in längliche Vierecke abgetheilt, in feinen weiten Zwifchenräumen mit hoch aufges ſchofſenen breiten Stauden bepflanzt war, deren ver⸗ dorrte Blumenkronen noch hie und da die aufgebro⸗ chenen Kapſeln ber zarten weißen jogenannten Baum⸗ wolle fehen Tießen, mit welcher, abwechfelnd mit Maid, die Felder bepflanzt gewefen waren. Der größte Theil dieſer Cotton⸗ und Waͤlſchkornfelder war augenſcheinlich dem Cypreſſenſumpfe abgenommen

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und durch Gräben getrorfnet worden, und der Con⸗ traf mit dem üppigen, undurchdringlichen Urwalde und dem bodenlofen Sumpfe gab ein anfchauliches Bild von dem Kraftaufivande, den ed erforbert haben mußte, um diefe herrliche Pflanzung der furchtbaren Wildniß abzugewinnen, und fo allmählig aus einem Verſtecke reißender Thiere ein fürftlihes Befigthum zu ſchaffen. | Man fah gewiffermaßen, daß ein Geift hier ges

waltet, ber, flufenweife fortſchreitend, allmählig vom Nöthigen aufs Bequeme übergegangen, und mit genauer Berechnung feiner Kräfte einen eifernen Willen verband. Wenn jedoch das fihhtliher maßen Harte eines langen Dienſtzwanges, der hier fo auf- fallend hervorſtach, dem menfchenfreundfichen Auge wehe that, fo verfühnte andererfeits wieber das heitere und muthwillige Völkchen, das im reinlichen Doͤrf⸗ hen fih umhertummelte, und fröhlich und wohlges muth wenigftend verrietb, daß, wenn feines Herrn eiferner. Wille es zur Thätigkeit gehalten hatte, ex ed zugleich an den Früchten derfelben in einem Maße Theil nehmen ließ, das Taufende von dürftigern Ber

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wohnern ber alten Welt mit neidiſchem Auge geſehen haben duͤrften.

Wer ſo die kleinen Wollköpfe auf der zwiſchen den beiden Hüttenreihen hinablaufenden Gaſſe herum⸗ toben, ober die ſchlanken Mädchen in ihren bunten maleriſchen Kopfputze ſah, die hellgrünen oder hoch⸗ rothen ſeidenen Tücher um ihre Scheitel in einen Knoten gewunden, wie fie ſchäckernd und lachend mit den jungen Burfchen umbertangten; oder die Alten, wie fie, wohl genährt und bequem gekleidet, behaglich ihre kurzen Pfeifen rauchten, der dürfte vergeblich) nad dem herzzerreißenden Elende gefucht haben, das parteitfhe Unwiſſenheit Diefer allerdings gebrüdten Klafie fo reichlich zugetheilt, und Dad, wenn aud) einzeln wahr, zur Ehre des amerikaniſchen Charaf- ters, nichts weniger als allgemein iſt.

Das Geſetz und ber anerkannte Gerechtigkeits⸗ und Billigkeitsſinn des achtungswerthen ſüdlichen Bür⸗ gers hat auch das Loos dieſer Klaſſe bereits um Vie⸗ les verbeſſert, und wenn es einerſeits drückend er⸗ ſcheint, daß ihrem Lande geraubte Unglückliche oder deren Nachkom men in fremden Dienſten fröhnen ſollen, fo dürfen wir hinwieder nicht vergeſſen, daß

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biefe. Zwingherren, ſchuldlos an dieſem fluchwürdigen Dienſtzwang, ſelbſt unter dem ererbten gefährlichen Joche leiden, und daß die menſchenfreundlichſte Weis⸗ heit nicht ohne Schaudern an eine ploͤtzliche Los⸗ lafſſung einer ſeit Jahrhunderten gefeſſelten Race denken duͤrfte. |

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Die Sonne war mittlerweile hinter dem unge⸗ beuern Eypsefienfrange, der im Oſten die Pflanzung umgürtet, hervorgeftiegen, und ihre Strahlen bünn- ten allmählig den Nebelfaum, ver ſich über bie ganze Landſchaft Hingezogen Hatte; nur am Hauptſtrom ſchwamm er noch, eine ungeheure Schihte, hinter der am jenfeitigen Ufer die Pflanzungen und Wälber den Horizont begrenzten.

Ein reizendes Mädchen im eleganten Morgenanzuge war auf die Piazza des Hauſes beraudgeflogen und fah forgfältig in der Richtung des Bayou bin, von dem man über den mäßigen Raſenplatz durch Grup⸗

pen von Chinatulpen, Orange- und Gitronenbäumen

einer weiten Ausſicht auf den Sttom gegen Weiten genoß, die nur gegen Norden zu buch bie Bluffs

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oder das Hochland begrenzt war, deren ſchroffe, mit Yasmin und Nebengehänge überzogene Lehmwände fih unfern dem neben der Pflanzung hinſchlängelnden Bayou hinzogen. .

Ein ſchlanker Wuchs, ein fehr fchöner Kopf, der fih zuweilen etwas, ſtolz aufwarf, ein zart kolorirtes Geſicht, deſſen Mienenſpiel weniger leichte Beweglich⸗ keit, als etwas Pikantes errathen ließ, durchdringend blaue Augen, die ſehr zuverſichtlich um ſich blickten, waren die hervorſtechenden Züge dieſer intereffanten Geftalt, die lauſchend den Blick auf das Bayou ge⸗ richtet ſtand, als ein zweites Mädchen herangeflogen kam, die, ihren Arm um den Nacken der Erſtern werfend, dieſe freundlich auf die marmorne Piazza dem eiſernen Geländer zuzog.

„Aber weißt Du ſchon, Siſſi?« ſprach ſe, „daß wir Gäſte haben und zwar allerliebſte Gaſte⸗ ſagte Polli.

„Zwei Indianerinnen Sq Squaws,«“ verſetzte die Sis, indem fie ironiſch die fehönen Lippen ver- drehte, gleihfam als fürchte fie, das ungeſchlachte Wort dürfte fle ungebührlich erweitern, „Du fennft ja den Hautgout unferd Squire.“

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„Nein, nein, Bergy. Pa felbft Hat fle eingeladen; er fol ganz entzüdt von ihr geweſen feyn. Sie ſchläft noch, aber Poli fagt, fie fol wunderſchön feyn; ſie ift eben gegangen, nach ihr zu fehen.«

„Huſh Gabriele!« entgegnete die etwas ſtolze Schöne der zarten Schwefter, deren arglos heiteres Auge und blonde Lockenkopfchen einige Sommer weniger in die liebe Gotteswelt bineingefchaut Haben mochten. „Ich hörte das Parkthor, und Pa hat ihn zum Srühftüc geladen. Warum er doch nicht fommt. «

„Recht fonderbar, Siffi, Du haft ihn doch ſchon geftern erwartet « lispelte Gabriele mit einem etwas ſchalkhaften Ausdrucke, der ihr zum Röckchen à l’en- fant allerliebſt ließ. „Und dann ‚w fegte fie ſchmollend hinzu, „muß er wieder hinab zum gräulichen alten General.

„Und in die Schlacht vor den Feind feufzte Vir- ginie, die in die Säulenhalle zurückeilte, während Gabriele ſtehen blieb.

„Ach, es iſt mir eine Ordonnanz;⸗ fluͤſterte Dieſe, indem fie auf Siſſi zuflog und fie wieder auf Die Piazza zog, auf welche die Ordonnanz zugefehritten

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fam, die Die Beiden grüßte und ind Sunere des Haufes ging.

„AH! ſieh doch, Sifi, wie ſchoͤn!«“ deutete das Mäpchen auf ben Nebelhang des Miffifippi, der num, in dem flärker werdenden Strahlen ber hinter ben Baumgipfeln herauffleigenden Spnne aud einander ſtaͤubend, in bie phantaſtiſchſten Gebitbe ſich formte. Während ungeheure Schichten in die Küfte verſchmol⸗ zen, kräuſelten ſich andere in die Formen umgeftärzter Kegel, zwifchen denen die in mellenweiter Berne verlorenen Wälder nun näher zu treten und im fehnellen Laufe dem Strome zuzueilen ſchienen. Die⸗ fer bligte nun in feiner ganzen hehren Majeftät Durch die Silberdünſte hervor, und die einzelnen Boote und Fahrzeuge, die auf feiner weiten Fläche pfeil- [nel hinabſchoßen ober ſchneckenartig hinaufkro⸗ chen, ſchimmerten mit ihren glänzend weißen Segeln wie Schwäne auf dem erglänzenden Waſſerſpiegel.

„Ach wie ſchön,« ſprach eine: ſchmelzend fanfte Stimme Hinter den beiden Mädchen, während zwei blendend weiße Arme fih um: ihre Nacken legten und ein wunderliebliches Weſen in ihre Mitte trat. „Gu⸗ ten Morgen, meine Schweftern!» Die beiden Mädchen

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pralften aus einander, fahen die holde Grüßende einen Augenblick verwundert an und flogen dann Beide zugleich auf ſie zu, und indem fie fle umſchlan⸗ gen, preßten fie eine Unzahl Küſſe auf den lieblichen Mund und Wangen.

„Und Wer biſt Du benn, A Du Heber holder Engeit« fragte Birginie.

„Dein füßes Kind, wie om Du hieher? ?4 fiel Gabriele ein.

„Mein ſüßes, liebes Götterkind,“ fiel die Erſtere wieder ein, indem ſie ſie umſchlang und Kuß auf Kuß auf ihre Lippen preßte.

Es war Roſa, die in der reizenden Ueberraſchung, die ſie den beiden Mädchen’ verſchafft, noch nicht Zeit gehabt hatte, ein Wort zu fagen. „Sie nennen mid) Roſa, liebe, Thöne Schweſtern,“ Tiöpelte fte.

„Roſa, meine. füße, Liebe Roſa, Du holdeſte, ſchonſte Roſe!

Und wieder umſchlangen ſie das wunderſ chöne Mäp- chen und erdrückten es beinahe in ihren Liebkoſungen. Es war ein lieblicher Anblick, das holde Natur⸗ geſchoͤpf zwiſchen den zwei fein. gebildeten reizenden ‚Mädchen zu ſehen, wie ſie aus den Armen der Einen in

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die der Andern flog und ſich im erſten Augenblicke Beider Herzen erobert hatte. Sie ſchienen ſich nicht ſatt an ihr ſehen und küſſen zu können. Selbſt die dem weiblichen Geſchlechte angeborne Schwäche, die ſich in ſchönen Kindern beim Anblicke eines noch ſchö⸗ nern ſo unwillkürlich und verzeihlich regt, war hier verſtummt. Die reine ungefünftelte Natur hatte über. Schwächen und die kalten herzloſen Formen des ges ſellſchaftlichen Lebens auf einmal geſiegt. „Sieh doch, Bruder! was wir hier haben?“ froh⸗ lockte Gabriele einem elegant gekleideten Jünglinge zu, der an die reizende Gruppe herangekommen und, nicht minder erſtaunt, erſt jetzt bemerkt wurde. Mein Bruder!“ lispelte Roſa, indem fie feine Hand zutraulich erfaßte und ihn verwundert anfah. „Komm, füßed Kind, zur Ma!” riefen nun Beide, fie erfaſſend und.jubelnd einer würbdevollen Dame: zu⸗ eilend, die das liebe Kind freundlich willkommen hieß. Du biſt ja ein holder Engel!u vief Virginie, die, als Roſa in den Armen der Mutter King, erſt Zeit hatte, ihren Anzug zu muflern. „Und. wahrlid,« fuhr fie in drolliger Bermunderung fort, „im neueften Geſchmacke angezogen. Sieh doch nur, Gabriele,

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dieſe allerliebfte ſchwarzſeidene Robe, wie unvergleich- lich fie fie kleidet, umd die niedlichen Prunelle⸗Halb⸗ ſtiefelchen, und ber allerliehfte Gürtel und bie Spange und Bracelets. Wirklich, mein liches Mädchen, bie erfte Parifer Künftlerin könnte Dich nicht lieblicher dargeftellt haben. Und bift Du wikuch mit den In⸗ dianern gefommen

nGewiß, liebe Schmwefter.

„Und Du haft bei ihnen in ihrem wie heißen ſie nr⸗—

„In ihrem Wigwam gewohnt,«“ half ihr Rofa.

Der Oberſte mit Major Copeland und Capitain Percy waren gleichfalls eingetreten. Zart und naiv, mit einem gewiſſen Ausdrucke von Hoheit, nahte ſie

ſich den Eintretenden, und begrüßte die beiden Stabs⸗ offiziere als theure Väter, den jungen Gapitain als Bruder.

„Ia, Du mußt nicht fo. viele Väter anerkennen rief der Squire lachend, indem er fle herzlich Füße. „Biſt wahrlich ein prächtiges Kind geworben, Gott fegne Di! Der Indianer hat wahre Vaierſtelle an

- Die vertreten. Sollte es nicht gedacht Haben, daß der alte, grimmige Tokeah Dich fo gut halten würde.

—d 16 3>— Biſt ja fo zart, ald ob Du al’ Dein Lebenlang in einem Käftchen aufgehoben geweſen wäreft.“

n Spotte nur, Pflegevater, « ſprach fie; „die Squaws und Mäbchen fpotteten meiner garten Hände und Füße auch, und Canondah wollte mich deßhalb nie in den Feldern arbeiten laſſen. Uber ſiehe,“ Sprach fie, „ich habe doch einen langen, langen Weg zurüchelegt. u

„Aber doch nicht zu Fuße

„Nein,« ſprach fie; ihr Blick war jedoch ſchon auf einen andern Gegenſtand gefallen, und fie ſah freund⸗ lich lächelnd dem Spiele des Eapitains und Virgi⸗ niend zu.

- Diefer ſchien, trotz des harten Kampfes, der zwi⸗ ſchen ihm und dem Oberſten ſtatt gefunden, mit dem Hauſe in einer nähern Berührung zu ſtehen. Er Hatte kaum ber Frau feine Ehrfurcht bezeugt und ſich im Kreiſe herum verbeugt, als er ſich Virginien näherte, die bei ſeinem Eintritte glühend roth ge⸗ worden war, doch ſich eben ſo ſchnell in eine ernſte, etwas ſtolze Miene gezwungen und bie Hand zurüd- gezogen hatte, die er vergeblich zu erfaſſen geſucht. Roſa hatte abwechſelnd den jungen Mann und ihre

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neue Schwefter angefehen. Sie ſchwebte nun auf Leptere zu und fah fie bebeutfam Lächelnd an.

"Sieh doch,« ſprach fie, mwie flehend fein Blick auf Dir ruht. Er ift ein Häuptling, aber fanft und milde wie eine Taube.“

Eine ſchöne Taube ;“ lachte Virgine, „wenn Du fie kennteſt, diefe Taube. «

nLiebe, meine Schwefter,“ Tiöpelte Mofa ihr zu, mvergißt ſich ſelbſt, um nur das Lächeln ber Freude auf dem Gefishte des Bruders hervorzuloden.“

„Mein wunderliches Rind,“ ſprach Virginie, vum Deinetwillen fey ihm vergeben.“ Und fie reichte dem Gapitain ihre Hand.

„Meine Lieben !a fprach der Oberfte, ber ein ſtum⸗ mer Zeuge der artigen Vermittelungsſcene geweſen war, „vergeßt nicht, daß wir wieder hinab müſſen, und daß das Frühſtück unſer wartet. Komm Du herrliche Roſe der Wildniß! und ihren Arm in den ſeinigen legend, folgte er dem Squire, der mit der Oberſtin den Zug führte.

"&3 ift mir noch immer wie ein Traum, ſprach Diefer, ber nun Platz genommen hatte. „Hätte mir eher den Tod eingebilbet, ald gedacht, Dich wieber

Der Legitime. UL | 2

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zu fehen. Erſt al8 Du fort warft, da empfunden wir, wie lieb Du uns Allen gemefen bift. Ja, ja, Roſa. Wir haben noch nah Jahren von Dir gefprochen. Und als ich heute nun fo mit dem grimmigen Tokeah rebe, fich, fo kommt fie heraus. aus ihrer Wolldecke und auf mid zu, und faßt mich fo zutraulich bei der Hand und macht mid zum Daten, ohne daß ich ein Wort davon weiß.

„Und dieſe Vaterſchaft ſchien Euch nicht übel zu gefallen?« fiel ihm der Oberſt in ſeiner etwas trocke⸗ nen Art ein, „denn Ihr vergaßt darüber, den Hãupt⸗ ling über fein Verhältniß mit dem Britten auszu⸗ forſchen.

„Mit dem Britten?« fragte bie aufmerkſam ge⸗ wordene Roſa.

„Ja, liebe Roſa,“ verſetzte der Squire. „Kennſt Du ihn ?u

„Gewiß; und-ift mein Bruder hier gewefen?«

„Ja,“ lachte der Squire, „Du haft zu viele Brüder und Väter; Daß ift ein arger Zeifig, fo jung er iſt. Ein Spion, der nad zur rechten Zeit Reißaus ge- nommen, fonft hinge er. Wird aber dem Balgen nicht entgehen.“

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Das Mädchen hatte verwundert zugehört.

„Aber das Nämliche dachte auch der Miko, und er hat gegen feine Tochter und Roſa das Schlachtmeſſer aufgehoben, weil er glaubte, daß fie einen Spion in fein Wigwam gebracht. Kann ber Britte zugleich bei den rothen und den weißen Männern Spion feyn?« fragte fie unſchuldig.

Alle waren aufmerkffam geworden. „Du kennſt ihm alfo, liebe Roſe? « fragte der Squire.

nGewiß,# verficherte fie abermals. „Er ift vor dreißig Sonnen bei und in einem Boote am untern MWaldfaum angefommen. Er war vom Seeräuber geflohen und ſchwach und matt, und eine große Waſſerſchlange biß ihn, als er aus dem Boote fleigen wollte, und Canondah kam ihm zu Hülfe und tötete die Schlange, und wir buchten ihn in ven hohlen Baum und trugen ihn in das Wigwam, und da pflegte ihn Canondah, bis er wieber hergeftellt war. «

„Und weiter fragte der Squtre, der Antheil an dem Schickſal des jungen Mannes zu nehmen ſchien, und, was eben nicht fehr häufig der Ball ſeyn mochte, ber Huhnsbruſt auf feinem Teller vergaß.

„Als er gefund geworben,“ fuhr fie Im unſchuldig

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naiven Tone fort, „wurde er ängſtlich; er fürdtete den Miko, der mit den Männern auf der Jagd war und fagte, er müſſe zu den Seinigen, die gegen die Weißen dieſes Landes Krieg führten. Er wurde mit jedem Tage verflörter. Da warb mir bange um den leidenden Bruder, und dad Gerz drohte mir zu zer» fpringen, und ich flehte zu Canondah und bat und beſchwor fie, ihn nicht Länger zurüdzuhalten und ihn zu den Seinigen gehen zu laſſen; denn ber Miko würde ihn, wenn er ihn gefunden, im Glauben, daß er ein Späher der Weißen ſey, mit dem Tomahawt getödtet haben.“

„Und weiter ?“ fragte der Squire

«Und Canondah,« fuhr fie fort, „wollte nicht, und Nofa mußte droßen und fagen, fie jelbft wolle dem Bruder den Weg zeigen oder mit ihm im Sumpfe erſticken. Sie hätte wohl dieſes gekonnt, aber fie hätte den Pfad nicht gefunden,“ unterbrach fie fi; wer ift fchmal-und nur den Häuptlingen und der Tochter des Miko bekannt. Selbſt die Squaws wuß⸗ ten ihn nicht. Und Canondah gab weinend den Bitten Roſas nah, und dem weißen Bruder hing fie eine Wolldecke um und band die Mocaffins an feine Füße

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und. den Wampumgürtel um feinen Leib, und fle färbte feine -Haut, um die Verfolger zu täufchen, und fie führte ihn über den ſchmalen Pfad auf das jen- feitige Ufer des zweiten Fluſſes. Es hat Canondah und Roſa vieles Herzeleid verurſacht; denn als der Milo zurück kam und er von den Weibern hörte, daß ein weißer Fremdling im Wigwam geweſen, wurde fein Angeficht finfter, wie das des reißenden Panthers; denn er dachte, ber Britte fey ein Späher, und fihon hatte fich jeine Hand erhoben, um dad Schlacht» meſſer in die Bruft feiner Tochter und Roſa's zu ftoßen ; der gute Gott hat ihn jedoch zurück gehalten. =

„Und der Britte Hatte den Mike nicht gefehenta fragte der Squire.

„Der Mike ift feiner Spur nachgeeilt; ob er ihn geſehen hat, weiß ich nicht.“

„Und was will der Miko mit den Indianern hier ?a

n&r bat einen langen Traum gehabt, den er erfüllen muß, weil es ihm der große Geift geboten hat, Er geht mit feinem Sohne zu den mächtigen Cumanchees; bie Seinigen find bereits abgegangen, er ift nur mit Wenigen zurüd in die Niederlaffungen der Weißen. ‚Und. ber große Häuptling der Cumanchees wollte ben

Vater feines Weibes nicht allein. ziehen laffen.. Der arme Miko hat feine Tochter verloren, und Roſa hat ihn gleichfalls begleitet, fonft würden ja,“ fehte fie mit naiver Unſchuld hinzu, „feine Augen vor Jammer erblinden.“ J u

Die Geſellſchaft Hatte mit Verwunderung und Růh⸗ rung dem einfachen Vortrage der reizenden Sprecherin zugehört, der allerdings für fie von größerer Wich⸗ tigkeit war, ald die Erzählerin ahnen mochte, indem fle einen Lichtſtrahl auf Pie plögliche verbächtige Er- fiheinung des Britten und der Indianer warf. Sp wenig eine ſolche Erſcheinung zu einer andern Zeit beachtet worben wäre, fo bedeutend wurde ſie im ge- genwärtigen Augenblide, wo die Bertheidiger bes Landes auf dem Punkte ftanden, nahe an zweihundert Meilen den Strom hinab gegen den auswärtigen Feind zu ziehen. Selbſt eine Eleine Horde von India⸗ nein mußte, mitihrer Art Krieg zu führen, nicht nur endloſen Jammer in den zerſtreuten Niederlaſſungen jenſeits des Stromes verbreiten: ein feindlicher Ueber⸗ fall konnte ſelbſt dem Gange des Krieges eine un⸗ günſtige Wendung geben, indem er natürlich die Mi⸗ lizen, die die Ihrigen den blutigen Tomahawks preis⸗

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gegeben ſahen, entmuthigen, fie vielleicht gar bes wegen würde, Die ohnehin ſchwache Armee zu ver- Iaffen, um den Ihrigen zu Gülfe zu Tommen. Die ungefünftelte, das .Gepräge unverfennbarer Wahrs heit an ſich tragende Erzählung war naher eine wahre Wohlthat für die beforgten Väter geworden.

„Und warum, a fragte der Squire nach einer Welle, what der Narr nicht gefagt, woher er feinen Wam⸗ pumgürtel und Fellwamms hat

„Canondah,«“ verfehte Rofa, what ihn beim großen ©eifte ſchwören laſſen, daß er nicht verrathen wolle, wo er geweſen. Der Miko fürchtet die Weißen febr, und er hat fich in ein Land gezogen, wo ex fie nimmer⸗ mehr fehen will. «

„Ja, das iſt's!« verfeßte der Squire nach einer Panfe, während welcher er eingeholt, was er wäh- rend ber Erzählung allenfalls verfäumt haben mochte.

Gabriele und Rofa hatten ihr Mahl geendet und die beiden Mädchen flogen ſchäckernd aus dem Saale.

„Immerhin vürft Ihr nicht vergeſſen, hub wieder der Oberfte an, „daß, fo wenig die Wahrheit dieſes lieben Kindes zu bezweifeln fteht, Die. Indianer, wenn fie etwas im Schilde führen follten, nicht Roſa zur

Vertrauten gemacht haben würben. Obwohl Träume viel vermögend bek ihnen find, fo erfcheint dieſer weite Ausflug eines Traumes wegen doch immer fonberbar.

„Mir nicht,“ entgegnete der Squire. „Sie gehen Taufende von Meilen, wenn ihnen ber große Geift im Schlafe es zuflüftert, wie fle fagen. Und dann müßt Ihr wohl bedenken, daß die Indianer geradezu auf unſre Niederlafſungen gekommen. Hätten fie etwas Arges im Schilde, glaubt Ihr, ſie wären den Atchafalaya herüber, ohne ſich umzuſehen? Und dann, würden ſie wohl das Kind mitgenommen haben? Sahet Ihr nicht, wie der Indianer plöglich alle Faſſung verlor, als ih ihm ankündigte, daß Ihr feine Pflege⸗ tochter zu Euch geladen? Konnte faum meinen Augen trauen, wie ich ihn fo bewegt ſah. Und ihre Klei⸗ dung und Geſchmeide verrathen ja offenbar, daß fie von ihm über Alles hoch gehalten wird. Die reichfie Erbin dürfte ſich nicht ihres Anzuges fehämen.

n&ben -diefer Anzug,“ erwiederte der Oberfte, „macht mir-da8 Ganze um fo unerklärbarer. Woher kann der Indianer diefe Dinge-haben

„Ihr vergeßt,, daß er der Schwiegervater des Cu⸗ manchee ift, ber vor Gold flarrt; dieſe Cumanchees

—3- find, Höre ich von unfern Männern, bie hinüber nach Santa Fee und Merico handeln, reiche Wilbe, im ewigen Kriege mit ben Spaniesn begriffen, von denen fle oft große Beute machen.“ .

„Der Schnitt. diefer Kleider und die Faqon ihrer Geſchmeide ift englifch,, lieber Squire, « bemerkte die Dame, wund zwar im beften, neueften Geſchmacke.“

„Und das,“ verfeßte der Oberfte, „ift allerbings bedenklich. Ihr wißt, John Bull, obwohl er breit auf feine Taſchen fchlägt, ift Fein folder Narr fie zu feeren, wenn er babei nicht zehnfach gewinnen Kann. Das Näthfel ift fo wenig gelöst, daß es mir im Ges gentheil nur verwidelter vorkommt. «

"Wir wollen bald dem Hacken einen Köder finden, ſprach der Squire; „ohnedem haben wir eine Zuſam⸗ menkunft mit den Indianern, und e8 müßte ſchlimm hergeben, wenn wir nicht das Wahre heraus fanden.“

Die Töne des Pianoforte unterbrachen das etwas ernft gewordene Tiſchgeſpräch. Die Gefellfchaft, als - ſehe fle die bezuubernde Wirkung voraus, welche bie Mufif auf das Naturkind hervor bringen würde, er⸗ hob fich von der Tafel und trat in den Saal.

Roſa Hatte mit der naiven Neugierde eines Kindes

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find, Höre ih von unfern Männern, die Hinüber nach Santa Fee und Mexico handen, reihe Wilde, im ewigen Kriege mit ben Spanien begriffen, von denen fle oft große Beute machen.“

„Der Schnitt diefer Kleider und bie Bagon ihrer Geſchmeide ift engliſch, Heber Squire,u bemerkte Die Dame, „und zwar im beften, neueſten Geſchmacke.“

„Und das, verfegte der Oberfte, „iſt allerdings bedenklich. Ihr wißt, John Bull, obwohl er breit auf feine Tafchen fehlägt, ift Fein ſolcher Narr fie zu leeren, wenn er babei nicht zehnfach gewinnen Tann. Das Näthfel ift fo wenig gelöst, daß es mir im Ge⸗ gentheil nur vertwidelter vorkommt.“

„Wir tollen bald dem Hacken einen Köber finden,“

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die prachtvolle Einrichtung, die herrlichen Fußteppiche, bie glänzend feidenen Vorhänge, bie duſtenden Roſa⸗ holz⸗Menbeln, die marmornen Statuen angeftumt und war in lieblicher Einfalt von einem Gegenſtande zum andern gehüpft, als Gabriele zum Pianoforte ſchlüpfte und einige Töne anſchlug. Dieſe horchte hoch auf, als die zarten Finger über die Taſten hin⸗ ſchwebten und eintge ergreifende Akkorde erklangen. Sie flog auf das Inſtrument zu und ſah hinein mit kindiſch naiver Einfalt, und breitete die Hände dar⸗ über, als wollte ſie die ſanften Töne erhaſchen und mit verwundertem Blicke hielt. fie es, als fürchtete fie ſich, fie würden entfliehen. Allmählig, als Ga⸗ briele nach dem ſanften Vorſpiele in die Romanze des Ttoubadours einſchlug, da malte ſich in ihrem Ge⸗ ſichte ein ſtilles, namenloſes Entzücken, ihre Augen begannen zu leuchten mit der Gluth unnennbarer Wonne, ihre ganze Geſtalt ſchien von einem elektri⸗ ſchen Feuer berührt. Sie umgaukelte ſich felbſt, wie ein lieblicher Schmetterling und, ſo wie dieſer ſeine zarten. Flügel, fo breitete fie ihre Hände aus, als wollte fie die zarten Töne umarmen; ihre Füße hoben ſich, fle berührte kaum mehr den Teppich, jede ihrer

N Bewegungen: war die ſchönſte Poeſie, ihr ganzes MWefen. Berflärung geworden... Eben mar die Geſell⸗ ſchaft eingetreten, al& bie Töne ihre Kraft auf das holde Geſchöpf zu äußern anfingen.

Sie ſahen dem Ausdrucke der Natur mit Verwun⸗ derung und Staunen zu. Ein herrlicherer Tanz war nie gefehen worden. Zulegt flog fie, mit Tihränen in den Augen, überwältigt von ber füßen Sunfin bung, Sabrielen an den Hals.

„Ich Bitte Dih um Gotteswillen, Schwefter, tödte mich nicht; ich ſterbe, meine Seele eilt davon mit den entzückenden Tönen. «.

Und dann feßte fie fich Hin, und eine hrine pe perlte nach der andern über ihre Wangen.

„Ach,“ lispelte fie; „wäre ein doch —R waͤre ich.geftorben !#

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Hennundzwanzigfies Kapitel. Der Bortheil iſt Dein Gott, der meine bleibt Gerechtigkeit, und folde Feinde fließen keine figere Buͤndniſſe. , Goͤthe. Das liebe Mädchen hatte innerhalb der zwei Wo⸗ hen, während welcher wir fie aus den Augen ver⸗ Ioren haben, unendlich ‚gewonnen. Sie war zuver⸗ fichklicher ‚natürlicher ; ihr Blick hatte ſich aufgehellt, ihr ganzes Weſen war felbfivertrauender, ja felbft- fländiger geworden. Der gänzliche Mangel an Selbſt⸗ ftändigfeit oder vielmehr das Gefühl ihrer gänzlichen SHülflofigkeit, vorzüglich aber das empörende Bes wußtſeyn, ſich einem Menſchen aufgeopfert zu wiffen, den ihr reines. Gemüth verabfheuen mußie, hatte ihrem ganzen frühern Wefen etwas fehmerzlih De⸗ müthiges, etwas Troſtloſes gegeben, das um fo peinlicher aufftel, als ihr dunkles Verhaltniß, ihr ſelbſt nicht. gang Har, ihrem ganzen Aeußern etwas unnatürlih Geheimnißvolles verlieh. Mit dem Auf- hören dieſes unnatürlichen Verhältniſſes zum See⸗

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räuber hatte ſich nun ihr niedergedrücktes Gemüth nicht nur aufgerichtet, fonbern die ſchreckliche Gata- fieophe, welche die Wilden und vorzüglich den Miko getroffen, hatte auch ihre Lage auf eine Art geändert, die, fo ſchmerzlich fie das jammervolle Enbe ihrer Freundin noch immer empfand, nichts deſto weniger einen vortheilhaften Einfluß auf fie äußern mußte. Der durch den Tod der Seinigen in ftumpfe Bewußt- loſigkeit verſunkene Miko Hatte Vieles von dem ihm eigenthünilichen herrifch flarren unbeugfamen Shen verloren und war nun gewiſſermaßen felbft in jene Hülflofigkeit verſunken, die, wie es fehlen, in ihr und ihrem reinen Eindlihen Gemüthe allein Troſt, Stüße und Labung fand. Nur fe war im Stande geivefen, ihn zumeilen aufzuhellen; feine erſtarrte "Seele, fehlen es, fand es für nöthig, fih an fie zu halten und ſich zuweilen zu fonnen an ben Erinne- rungen verflofiener Tage. Dieſe allmählige Aner- kennung einerfeits, fo wie die zarte Aufmerkſamkeit des jungen Häuptlings andererfeitö, hatte das eble, reine, ſich ſelbſt vergeffende und nur-im-Wohle An- derer lebende Gemüth auf den Fittichen der Liebe

0 emporgehoben: und ihr allmaͤhlig eine höhere Veto: nung gegeben. Sie war noch immer Kind, eine zarte unſchuldige Seele; aber die Cataſtrophe war der Prüfftein ihres Lebens geworden, dem fie nun eine höhere Richtung gab. Die höhere Würde ver zarten Jungfrau fing an, ſich in ihr zu regen.

Und die Wechfelwirkung dieſes erhebenden Gefüh- les war allmählig in einer Art von Herrſchaft be⸗ merkbar geworden, der ſich willig zu unterziehen ihre Umgebungen einen beſondern Reiz zu finden ſchienen; eine Erſcheinung, die vielleicht eben ſo ſehr durch die bezaubernde Anmuth des Maͤdchens als die felbft von dem ſtolzeſten Indianer der weißen Race gewiſſer⸗ maßen nothgedrungen zugeſtandene Ueberlegenheit zu erklären geweſen ſeyn dürfte. Selbſt der Miko hatte ſich in den lehtern Tagen einer ſcheuen Ehrerbietigkeit nicht erwehren können. El Sol ſchien ſie als ein Weſen hoͤherer Art zu betrachten und nahte fich ihr mit einer Schuͤchternheit, einer Zartheit, die vielleicht den gebildetſten Damentitter befehämt haben würde. Auf dem ganzen Wege hatte er fo zu fagen mit freu= diger Furcht ihre Teifeften Wünfche erfüllt, mit der zarteften Sorgfalt jeden Schritt ihres Pferdes be⸗

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wacht, jeden Wink ihrer Augen abgeſehen und bei⸗ nahe nur in ihrem Dienfte gelebt. So wie dieſe An⸗ erfennung ihres fittlichen Werthes auf ihren Geift, fo Hatten die Zerfireuung auf der langen Reiſe, die abwechfelnd prachtvollen Naturfcenen und die reinen Lüfte der grenzenlofen Wieſen der Attacapas und Opeloufad, auf ihren Körper gewirkt und ihr eine Lebhaftigkeit, eine Friſche verliehen, die ihrer herr⸗ lichen Zuftgeflalt ungemein wohldtanden:

Man Eonnte faum etwad Nührenderes fehen, ale dieſes anmuthsvolle Weſen, wie fle dem erflarrten Wilden füß fehmeichelte und ihn durch die zarteften unfehuldigften Liebfofungen zu neuem Leben zu er⸗ wecken ſich bemühte. Allmählig war es ihren unaus⸗ gefeßten Bemühungen auch gelungen, den alten Mann wieder zu einigem Bewußtfeyn zurüdzubringen. Nur erichien niit biefem auch eine gewifle Beklommenheit, eine Aengftlichkeit, die in demfelben Maße zunahm, als er fi den Niederlaffungen der Weißen näherte. Mit jedem Schritte, den ber kleine Zug vorwärts that, wurde nämlich die Miene des alten Häuptlings groflender, feine Ungeduld flärfer; fein Stumpfſinn ſchien ihn nur zu verlaffen, um einer keifenden, zank⸗

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fühligen Laune Plag zu machen. Als fähe er die Demttbigungen voraus, die er von den Welpen zu erwarten babe, verfuchte er ſich zuvor gegen fie zu flöhlen und zu ermuthigen. Stunden lang war er im zankenden grollenden Selbftgefpräche begriffen, in dem er den. Weißen Neden in den Mund legte, um fie mit Trotz und Hohn zu beantworten.

So waren’ fie. auf demſelben Wege, den der India⸗ ner den Britten geführt, nämlich auf dem Pfade der Coshattaes dem Atchafalaya zugeritten, den Miko und ſeine Oconees ausgenommen, die, getreu der Sitte ihres Stammes, neben den Pferden einher⸗ ſchritten. Oberhalb Opelouſas am Atchafalaya an⸗ gekommen, hatten ſie Dieſe mit den Pawnees zurück⸗ geſandt, und angefangen ein Rindecanoe zu bauen, als ſie in dieſer Beſchäftigung von zweien der vom Magiſtrate von Opelouſas ausgeſandten Männer entdeckt und bald darauf von einer kleinen Abtheilung Milizen überraſcht und zu Gefangenen gemacht wurden.

Obwohl die Indianer weder Widerſtand noch Flucht verſuchten und ihr Boot gelaſſen vollendeten, ſo hatte die ſtarre herriſche Art, mit der man ſie aufforderte

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unverzüglich zu folgen, und die gehäffigen mißtrauis ſchen Blicke, mit denen fie gemeſſen wurden, ihren Stolz fo empfindlich gefränft, daß, ohne bed Miko eindringliche Bitten, wahrſcheinlich ein Kampf daraus entftanden wäre. Als fürchtete er nun jede Berüh⸗ rung mit feinen troßgigen Erbfeinden, hatte ex fich ſchnell an die Seite feiner Pflegetochter zurückgezogen, die, in eine Wolldecke gehüllt, auf einem Baumſtamme gefefien war: Noch ſprach fie freundlich mit dem alten Manne, ald EI Sol kam, um fie in das Boot zu führen. Die Wolldecke war ihr zum Theil in der Bewegung entfallen, als fie auf das Fahrzeug zutrat. Der Anblid des weißen reich gekleideten Mädchens, das freundlich und froh fich mit dem alten Indianer unter bielt, hatte in den Binterwälblern eine Umwandlung hervorgebracht, Die, wäre fie durch einen Zauber- flag bewirkt worden, nicht plöglicher oder. größer ‚hätte feyn können. Ihr rauhes gebieterifches Weſen war auf einmal der zuvorfommendften Aufmerkfamfeit gewichen. Alle waren zurückgetreten, als ſich ihnen das Mädchen grüßend nahte, ihr Führer hatte artig feine Sand angeboten, um ihr beim Einfteigen zu helfen, war aber vom Qumancheehäuptlinge zurück⸗ Der Legitime, IIL 3

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geftoßen worden. Selhfi dieſe Beleidigung ertrug der Befehls haber zur nicht geringen Verwunderung des Miko, dem, obgleich ſcheinbar ſtarr und in ſich ver⸗ ſunken, keine Bewegung ſeiner Feinde entgangen war. Während. der ganzen Ueberfahrt, waren fie mit einer Schonung. von den Weißen behandelt worden, bie gegen das barjche, herrifche Benehmen bei dem Ueber⸗ falle zu ſehr abſtach, um nicht au) EL Sol aufmerf- fam zu madıen.

Im Depot. angekommen, waren fie zwar im Wacht⸗ hauſe eingebracht worden, der Führer der Abtheilung nahte ſich jedoch ehrerbietig dem Mädchen und bat fie, einſtweilen ſeine Begleitung in den Gaſthof anzuneh⸗ men. Sie ſchlug dieſes freundlich aus und blieb mit den Indianern in der Stube, wo ſie endlich durch die Ankunft der Offiziere aus ihrem Zweifel geriſſen wurden, von. denen ber Falfenbii des Squire den Miko fogleich erkannte. Auch Diefer hatte den von ihm nicht weniger als billig behandelten Zwiſchen⸗ händler herausgefunden, und ſich zuckend aufgerichtet, als er feine Anrede begann. Da trat aus dem Hinter⸗ grunde Roſa hervor, und, aus der Wolldecke ſchlü— pfend, warf fte fig) dem erftaunten Sau um den

Hals, der kaum feinen Augen trauend fie ſtarr an⸗ ſchaute, bis fie, ihm endlich mit den Worten: » Deine Rofa,« fein Pflegefind ind Gedaͤchtniß zurückrief. Da umſchlang aud) er fie mit einer Herzlichkeit, bie ihn für eine geraume Weile Alles vergeflen machte. .

Die ausgezeichnete Achtung, mit ber ach die übri⸗ gen Offiziere das liebliche Kind empfingen, die kurze ernfte Unterrebung,,. die fie mit einander hielten und die mildere Anrede des Squire, daß er glaube, To» keah fey in Friede und Sreundfhaft gefommen, fo wie der Umfland, daß fie fogleih aus dem Wacht⸗ hauſe in den Gafthof geführt und dem Wirthe als Säfte der Regierung zur beſtmöglichen Sorgfalt ‚überantwortet wurden, diefe Umftände Elärten endlich den im langen Verkehr mit ‚feinen Beinden mit den verſchiedenen Behandlungsarten, die fie feiner Race angebeihen ließen, wohl befannten Mifo allmählig über bie plötzliche Sinnesänderung der gefürchteten Welpen auf. Diefe Sinnesänderung hatte natürlid) eben fo fehr in dem achtungsvollen Benehmen des Amerifanerd gegen das weibliche Geſchlecht über⸗ haupt, als ber Vorausſetzung insbeſondere ſeinen Grund, daß Indianer, die in einer ſolchen Begleitung

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ur

erſcheinen, nicht feindfelige Abfichten